Brrrr
Der Winteranfang hat den Monat November nicht abwarten können. Der erste Schnee ist bereits gefallen, für ein paar Stunden schimmerte die Stadt weißlich. Das war vor ein paar Tagen, seitdem hat sich das Schauspiel noch ein paar Mal wiederholt. Mit sich bringt die neue Jahreszeit Kälte, Klagen über die Kühle am Morgen und am Abend beim Gang zur und von der Arbeit, am Beginn der Heizperiode überheizte Büros, in deren Folge ständig offene Fenster, Angst vor Erkältung. Voraussagbar auch die ultimative Ermahnung an die Ausländerin, sich jetzt endlich doch mit fellbewehrten Mänteln, Schuhen, Mütze und Handschuhen einzukleiden, was alle anderen Bewohner schon längst getan haben. Bereits geschehen das erste Tragen der (vorjährigen) Mütze, Handschuhe, und der erste Spaziergang in Winterstiefeln. Heute erlebt das erste – und bleibende – Erstaunen über einen mutigen Badenden, der noch einmal vor Eintreffen der Eisschollen durch den Fluß schwamm. Von der Mutprobe ausgenommen war sein Kopf, auf dem er souverän seine Ohrklappen-Fellmütze über den Fluß trug, ansonsten sprach seine tiefrot gefärbte Haut (bis auf seine Badehose in Gänze entblößt) dafür, dass er sich nichts ersparte. Persönlich sind mir die angedrohten erreichbaren 40 Grad Minus im kommenden Winter Mutprobe genug. Ich wäre aber gern bereit gewesen, jenem Mutigen meine Bewunderung auszusprechen, doch hatte ihn die Strömung weit von meinem Spazierweg abgetrieben. Vermutlich hat man ihn stromabwärts nicht nur mit wärmenden Worten, sondern auch mit verlässlich wärmenden Spirituosen erwartet.
rangingsea - 31. Okt, 11:16
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