Sentimentalität in Kilogramm
Vor mir steht die sich halbjaehrlich wiederholende Aufgabe des Kofferpackens. Der angestammte Ort hat ausgedient, es geht weiter, alles neu macht der Mai, der November und dann wieder ein naechster Mai. Vor den leeren Koffern knieend, steht die Entscheidung an, was mitdarf, und was ich den Vermietern und Nachbarn zuruecklassen werde. Es ist nicht so, dass ich mich schwertun würde, mich von Dingen zu trennen. Wenn ich aber doch zögere, einen Pulli zurückzulassen oder ein Buch zu verschenken, wird die Entscheidung prinzipiell: Folge ich dem Minimalismus oder gefalle ich mir in Sentimentalität? Meine Haltung ist tendenziös-pragmatisch: Jede Memorabilität hat ihr Gewicht, je mehr Sentimentalität, desto mehr Kilo im Gepäck. Je mehr Zeit ins Land geht, desto dringlicher stellt sich mir die Frage, was bleibt mir, was werde ich zeigen können von all den Jahren in der Ferne. Bleibe ich dem Minimalismus treu und kehre mit der gleichen Anzahl von Koffern zurück, mit der ich mich aufgemacht habe, oder erlaube ich mir das eine oder andere materielle Andenken, Klotter und Souvenire, die ich nur beim Ein- und wieder Auspacken anfassen werde.
rangingsea - 6. Nov, 18:11
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