Yalta
Der majestätisch klingende Name Yalta entpuppt sich als eine eigenartige Ansiedlung von Gebaeuden. In den Aussenbezirken, in die Hänge gedrückt, sieht es ordinär sowjetisch aus. Plattenbauten dicht auf dicht, nur hier mit Palmen vor dem vergitterten Balkon. Die alten Villen im Zentrum sind ebenfalls dicht an dicht geschachtelt, mit wild wuchernden Gärten zwischen ihnen. So wild die Gärten, so uneinheitlich auch der Zustand der Gebäude: Einzelne frisch renoviert, in den Höfen anderer stapeln sich zusammengesammelter Haushaltsschrott, weht viel Wäsche im Wind, und die Villen sehen so eng und intensiv bewohnt aus, als würden die Kommunalkas noch längst nicht aus den weiten Etagen weichen wollen. Man ahnt es, und ich weiss es, dass ich die Gebäude berühmte Menschen beherbergt haben, dass ich hier auf geschichtsträchtigen Boden wandele. Doch nirgendwo ein Zeichen, eine Tafel, wer hier vor mir spaziert ist. Es kann gut sein, dass ich an hier mit jeder Villa, an der ich vorbeigehe, einen historischen Ort ignoriere. Erfahren werde ich es nicht, mangels Schilder oder Aushänge. Umsomehr mürbt mich das Gewissen, etwas verpasst zu haben.
rangingsea - 3. Dez, 16:25
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