Ein Morgen
Endlich wieder einmal ein idealer Sonntagmorgen: Mit moderatem Ausschlafen, etwas mehr Zeit im Bad, viel Kaffee und Zeitunglesen, am besten Feuilleton. Da macht es nichts, dass die ZEIT vom Oktober vergangenen Jahres ist, und der Kaffee aus Instant-Pulver aufgegossen ist, ganz ohne Kaffeeduft. Dafür gibt es Sonnenschein und blauen Himmel, und auf dem Hof liegt eine neue Schicht Schnee. Der von meinem Fenster sichtbare Fernsehturm ist nicht in Nebel, sondern in seinem oberen Ende in eine hohe Wolke gehüllt. Und in der Stadt ist eine Stille, die an Wochentagen in der Metropole M. undenkbar ist. Die Ruhe ruft bei mir Erinnerungen an Sonntage in meinen Behausungen in den provinziellen Städten T. und A. hervor. Aus meinen Fenstern dort waren ein Meer geduckter Häuser mit Vorgärten, brache Flächen mit einigen Industriebauten am weiteren Horizont und ein karger Hof mit angrenzenden siebenstöckigem Plattenbau zu sehen. Die Ausblicke waren jeweils mit Schnee bedeckt, mit der Geräuschkulisse verinzelten Vogelzwitscherns. Es mag Vergangenheitsverklärung sein, mein sich verbreitendes Sehnen nach diesen Momenten provinzieller Stille und Gemütlichkeit .
rangingsea - 28. Jan, 10:09
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