Feiertag
An diesem Wochenende wurde ein Feiertag dem Wochenende vorangestellt. Am Morgen liegt eine Gedämpftheit über der Stadt, die mich nach dem zeitigen Aufwachen überrascht. Die Straßen scheinen leergefegt, nur wenige Autos sind unterwegs, das Rumpeln der Straßenbahnen ist nur mit ungewohnt langen Pausen zu hören. Es braucht lange, bis sich die Szenerie belebt auf dem Hof und zur Stadt hin. Gegen Mittag tauchen einige torkelnde Gestalten auf, Lieder singend, zum Feiertag grüßend. Ein Mann kann nicht an sich halten und wäscht seinen Wagen im Hof. Laut diskutierend, dass dieser Feiertag künstlich und erfunden sei, und erfragt sich den Beweis, dass niemand wisse, zu wessen Ehren er begangen wäre. An diesem Tage fehlen die die Eiligkeit der zur Arbeit Verpflichteten, die Geschäftigkeit des endlos Hin- und Herwallenden Verkehrs, die Zielstrebigkeit der vom Einkauf Heimkehrenden. Eine eigenartige Ruhe in einem Land, in dem der Sonntag keinen Haltepunkt bietet, in dem am Wochenende turbulenter gehandelt wird als an allen anderen Wochentagen. Ein freier Tag mehr, und ernsthafte Feiertagsstimmung legt sich über das Land. Es darf vermutet werden, dass die Hingabe an den Feiertag mit vielen Flaschen Wodka erkauft wurde.
rangingsea - 6. Nov, 18:12
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks

Trackback URL:
https://fernlicht.twoday.net/stories/1125561/modTrackback