Cultural-conscious global media
Weltweit ausstrahlende Fernsehsender schaffen nicht immer globale programmatische Einheitlichkeit, sondern schneiden ihr Programm auch schon einmal regional passend zurecht. Geboten scheint dies bei (Spiel-)Filmen, die den islamischen Terrorismus zum Thema haben und – wohl wichtiger – aus der Hollywood-Produktionsstrecke geliefert wurden. Die Verbreitungsgebiete Indonesien und der Nahe Osten werden von diesem Fernsehvergnügen ausgenommen. Werbung läuft trotzdem in den Sendepausen – ob auch in den Ländern mit korrigiertem Programm, bleibt unklar. Und damit ebenso unerreichbar, ob die im Lauftext angekündigte Programmkorrektur bei den potentiellen Zuschauern für mehr Kopfschütteln sorgt als für Erregung bei den Abonnenten des Kanals, die von der Filmvorführung per Entscheidung des Fernsehsenders ausgespart bleiben. Über die Verbreitung dieses Films über amerikanische Terror-Angst und Terroristen-Jagd in islamischen Ländern dürfte in der Redaktion nicht allzu lange diskutiert worden sein. Zu wahren ist der Ruf des Senders, und Stürme auf Büros, Abonnementkündigungen etc. nicht zu riskieren. Sehenden Auges in den unternehmerischen Selbstmord zu laufen ist nicht rational, dann lieber für zwei Stunden in einigen Regionen eine andere Kassette einlegen als im Standard-Programm geplant. Dieser Schachzug ist zugleich aber das Ende eines globalen, einheitlichen Programmes, bemäntelt mit regional-kultureller Sensibilität. Für die Zensur braucht es nicht mehr staatliche Ausführende, die Sender selbst übernehmen die Entscheidungen, welche Filme welchem Mehrheits-Publikum zugemutet werden können. Die Zwänge sind nicht mehr ideologische, sondern kommerzielle, der Effekt bleibt dergleiche: Nicht der Zuschauer entscheidet, was er sehen will, sondern für ihn wird entschieden.
Das ist die enge Auslegung der Fakten. Im Kreis weiter geschaut, ist die Programmentscheidung die Antizipation der Wünsche der Mehrheit des Publikums – also in Wahrheit eine demokratische Entscheidung – herbeigeführt durch den Mittler Programmredaktion. Dies wäre der Schritt weg von einem globalen, zu einem mehrheitsfähigen Programm. Dies kann regional angepasst werden, oder global verbreitet werden. Bei National Geographic, einem der globalen Einheitlichkeit verpflichteten Senders, dürfte in den Redaktionsgremien häufiger als bei obigem Sender gestritten werden: Obwohl in beinahe jedem der Dokumentarfilme über das mögliche baldige Ende seltener Tierarten lamentiert wird, und auch ohne Schonung der Handel mit Elfenbein, Tigerkrallen, Fellen oder Treibnetze als Ursachen des Schwindens der Arten erläutert werden, fehlen durchweg kritische Appelle an das Publikum, das regional Verantwortung trägt und Entscheidungen herbeiführen kann: wenn nicht Regierungsbeamte direkt, dann sind doch wohl das gemeine Publikum in seiner Zweiheit als Fernsehgucker und Wahlvolk zu erreichen. Die Diskussion in den Redaktionen geht offensichtlich ständig zugunsten von apolitischen Dokumentationen aus – oder, mit einem weniger naiven Blick, die Strategie des Senders ist es, nur lokal nicht aneckende, und daher global einheitlich verbreitbare Inhalte über die Bildschirme laufen zu lassen.
Die Zwänge, unter denen die Redaktion steht –lokale Märkte nicht zu riskieren– sind die gleichen für beide Strategien: regionale Zensur versus globaler Einheitsbrei. Die erstere spielt auf Zeit: sie trickst mit dem –vermeintlichen- Unwissen lokaler Zuschauer, dass anstössige Filme auf ihren Mattscheiben nicht erscheinen. Wenn die Abonnenten allerdings erfahren, dass mit ihren Entgelten anderswo genau diese Filme gezeigt werden, wird ihre Reaktion – kündigen! – verspätet, und vielleicht abgemildert, den Sender treffen. Die zweite Strategie passt nur auf spezifische (Rand)Formate – Tierfilme, Sportkanäle, d.h. alle Bereiche, in denen sich global einige einigermassen einheitliche Kultur bereits durchgesetzt hat. Was bleibt für die Zukunft? Randformate oder globale Kanäle ohne Abonnenten? Die Mittelweg (und Ausweg) scheinen lokale Sender zu sein, die kritisch und selbstverständlich kulturell opportun ihr Programm gestalten, und die hoffentlich die finanzielle Stärke und politische Unabhängigkeit haben, um das Beste aus dem globalen Angebot schöpfen zu können und mit bissigen Kommentaren zu versehen. Nur, diese Vorzüge charakterisieren zuvorderst die globalen Kanäle, die sie per Redaktionsentscheid oder Strategieweisung ungenutzt verstreichen lassen.
Das ist die enge Auslegung der Fakten. Im Kreis weiter geschaut, ist die Programmentscheidung die Antizipation der Wünsche der Mehrheit des Publikums – also in Wahrheit eine demokratische Entscheidung – herbeigeführt durch den Mittler Programmredaktion. Dies wäre der Schritt weg von einem globalen, zu einem mehrheitsfähigen Programm. Dies kann regional angepasst werden, oder global verbreitet werden. Bei National Geographic, einem der globalen Einheitlichkeit verpflichteten Senders, dürfte in den Redaktionsgremien häufiger als bei obigem Sender gestritten werden: Obwohl in beinahe jedem der Dokumentarfilme über das mögliche baldige Ende seltener Tierarten lamentiert wird, und auch ohne Schonung der Handel mit Elfenbein, Tigerkrallen, Fellen oder Treibnetze als Ursachen des Schwindens der Arten erläutert werden, fehlen durchweg kritische Appelle an das Publikum, das regional Verantwortung trägt und Entscheidungen herbeiführen kann: wenn nicht Regierungsbeamte direkt, dann sind doch wohl das gemeine Publikum in seiner Zweiheit als Fernsehgucker und Wahlvolk zu erreichen. Die Diskussion in den Redaktionen geht offensichtlich ständig zugunsten von apolitischen Dokumentationen aus – oder, mit einem weniger naiven Blick, die Strategie des Senders ist es, nur lokal nicht aneckende, und daher global einheitlich verbreitbare Inhalte über die Bildschirme laufen zu lassen.
Die Zwänge, unter denen die Redaktion steht –lokale Märkte nicht zu riskieren– sind die gleichen für beide Strategien: regionale Zensur versus globaler Einheitsbrei. Die erstere spielt auf Zeit: sie trickst mit dem –vermeintlichen- Unwissen lokaler Zuschauer, dass anstössige Filme auf ihren Mattscheiben nicht erscheinen. Wenn die Abonnenten allerdings erfahren, dass mit ihren Entgelten anderswo genau diese Filme gezeigt werden, wird ihre Reaktion – kündigen! – verspätet, und vielleicht abgemildert, den Sender treffen. Die zweite Strategie passt nur auf spezifische (Rand)Formate – Tierfilme, Sportkanäle, d.h. alle Bereiche, in denen sich global einige einigermassen einheitliche Kultur bereits durchgesetzt hat. Was bleibt für die Zukunft? Randformate oder globale Kanäle ohne Abonnenten? Die Mittelweg (und Ausweg) scheinen lokale Sender zu sein, die kritisch und selbstverständlich kulturell opportun ihr Programm gestalten, und die hoffentlich die finanzielle Stärke und politische Unabhängigkeit haben, um das Beste aus dem globalen Angebot schöpfen zu können und mit bissigen Kommentaren zu versehen. Nur, diese Vorzüge charakterisieren zuvorderst die globalen Kanäle, die sie per Redaktionsentscheid oder Strategieweisung ungenutzt verstreichen lassen.
rangingsea - 25. Okt, 09:37
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