Feierabendgelüste
Ich habe ich mich mit einer Flasche Shampanskoje (Es darf geraten werden, worum es sich hier handelt!) zurückgezogen, und meine Erwartungen an das Getränk haben mich nicht getäuscht. Der Sekt (ja, so schnell lüften sich die Schleier) meiner Wahl heisst "Dshulietta" und bezeichnet sich im Untertitel als "Wein, aus Traubensaft, sprudelnd, süß". Natürlich, süß musste er unvermeidlich herkommen, der östliche Sekt. Dass ich mit dieser Flasche nach Hause gegangen bin, lag allerdings nicht an meinen begrenzten Ausdrucksmöglichkeiten im Russischen, sondern an dem reduzierten Angebot, das ich in meinem angestammten Einkaufsladen vorfand. Die Regale waren einigermaßen geplündert, selbst die Wodka-Palette war bereits gelichtet. Ich darf mich also glücklich schätzen, mich im Austausch gegen die Gesamtsumme von zwei Euro der letzten verbliebenen Flasche Sekt, einer Tüte Kekse (die vorletzte), eines Brotes und einer Tüte Milch bemächtigt zu haben. Ich will allerdings falschen Bildern einer angeblichen Warenknappheit vorbeugen: Hätten mich meine Beine etwa zweihundert Meter weitertragen wollen, hätte ich sicherlich in einem weiteren Laden alles Ingredienten zum süßen Leben gefunden, die ich gern erkauft hätte.
Also bin ich mit gefülltem Plastebeutel wieder um den Block zurück in meine stille Behausung gewandert. Bis zum vollständigen Glück verbleiben noch wenige Schritte des Flaschen-Öffnens. Als ich nun Hand anlegen will an die Alufolien-Umhüllung des Korkens, muss ich schon ziemlich friemeln, um da einen ersten Riß zustande zu bekommen.
Vielleicht erhören die hiesigen Hersteller des Getränkes mein Gesuch, dass man in anderen Teilen der Konsumwelt bereits daran gedacht hat, einen vereinfachenden Mechanismus für das teilweise Abreißen der Folienumhüllung um den oberen Hals von Sekt-Flaschen eingeführt hat. Dieser hilft jedenfalls. Enthüllt hat sich eine weitere landestypische Produkteigenschaft, die mir bis zu diesem Moment wieder aus dem Gedächtnis gepurzelt war: Sektflaschenkorken bestehen hier zu 100% aus Plastik. Das ist natürlich ein erfreulicher Umstand für die gefährdeten Korkeichen-Bestände. Andererseits bringt die Materialbeschaffenheit der hiesig verwendeten Korken
auch mit sich, dass die betroffenen Flaschen an sich schwer von ebenjenem Korken zu befreien sind. Aus zurückliegenden Erfahrungen habe ich gelernt, dass es Kräfte bedarf, die über die meinen hinausgehen, um solche Korken zu entfernen. Ich sehe natürlich ein, dass eine schwache Dame sich nicht allein an einer Flasche Sekt zu schaffen machen sollte, und dass aus - im Osten wie im Westen verbreiteten - Tradition eine starke männliche Hand zur Verfügung stehen sollte, nur... - aber das an
anderer Stelle.
Nach einigem Ringen habe ich jedenfalls den Korken mit Hilfe eines Handtuches überwunden, und - plop - kann sich das lang ersehnte Getränk sprudelnd ergiessen - doch halt, wohin? In meiner angemieteten Wohnung stehen mir einige Services und Geschirr zur Verfügung, zu Sektgläsern hat es aber leider doch nicht gereicht. Ich habe die Wahl zwischen goldenen Kaffeetassen und goldgeränderten Saftgläsern. Beim weiteren Durchsehen der ansehnlichen Kristallkollektionen meiner Vermieter habe ich neben diversen Kristallschalen auch zwei kristallene Füllhörner vorgefunden, die mir schlußendlich allerdings wenig zum Trinken geeignet schienen, da man ständig mindestens eine Hand für sie aufrecht halten muss. Zurückgeworfen also auf das Goldservice, kann ich zum optischen Eindruck des Sektes wenig sagen, der erste Schluck jedenfalls - oh ha, ja ich hatte es erwähnt, die Hersteller haben nicht darüber geschwiegen, es ist ein süßer Trunk. Immerhin, schon mit dem ersten Glas, das mittlerweile vor mir zur Neige geht, bin ich wieder ein bißchen mehr mit der Welt versöhnt, und alles was da kommen mag, soll ruhig so sein, wie es sein soll...
Nachtrag:
Ich bin ehrlich neidisch auf die Einwohner der schweizerischen Käserepublik, wo, wie ich selbst erleben durfte, Champagner (!), der nicht süß, nicht mild, sondern das Prädikat trocken verdient hat, unter's Käsefondue gerührt wird! Welch Frevel und Verschwendung! Ich weiß, ich werde die westliche Welt nicht aus den Angeln hebeln und ebenso wissend, dass mein hierorts erhobener Zeigefinger in der bergumrahmten schweizerischen Idylle nicht wahrgenommen wird, wünsche ich allenorts erheblichen Genuss geistlicher Getränke - mag sich mein heutiger Wunsch auch mit morgigen Flüchen über meine Leichtgläubigkeit vermischen.
Also bin ich mit gefülltem Plastebeutel wieder um den Block zurück in meine stille Behausung gewandert. Bis zum vollständigen Glück verbleiben noch wenige Schritte des Flaschen-Öffnens. Als ich nun Hand anlegen will an die Alufolien-Umhüllung des Korkens, muss ich schon ziemlich friemeln, um da einen ersten Riß zustande zu bekommen.
Vielleicht erhören die hiesigen Hersteller des Getränkes mein Gesuch, dass man in anderen Teilen der Konsumwelt bereits daran gedacht hat, einen vereinfachenden Mechanismus für das teilweise Abreißen der Folienumhüllung um den oberen Hals von Sekt-Flaschen eingeführt hat. Dieser hilft jedenfalls. Enthüllt hat sich eine weitere landestypische Produkteigenschaft, die mir bis zu diesem Moment wieder aus dem Gedächtnis gepurzelt war: Sektflaschenkorken bestehen hier zu 100% aus Plastik. Das ist natürlich ein erfreulicher Umstand für die gefährdeten Korkeichen-Bestände. Andererseits bringt die Materialbeschaffenheit der hiesig verwendeten Korken
auch mit sich, dass die betroffenen Flaschen an sich schwer von ebenjenem Korken zu befreien sind. Aus zurückliegenden Erfahrungen habe ich gelernt, dass es Kräfte bedarf, die über die meinen hinausgehen, um solche Korken zu entfernen. Ich sehe natürlich ein, dass eine schwache Dame sich nicht allein an einer Flasche Sekt zu schaffen machen sollte, und dass aus - im Osten wie im Westen verbreiteten - Tradition eine starke männliche Hand zur Verfügung stehen sollte, nur... - aber das an
anderer Stelle.
Nach einigem Ringen habe ich jedenfalls den Korken mit Hilfe eines Handtuches überwunden, und - plop - kann sich das lang ersehnte Getränk sprudelnd ergiessen - doch halt, wohin? In meiner angemieteten Wohnung stehen mir einige Services und Geschirr zur Verfügung, zu Sektgläsern hat es aber leider doch nicht gereicht. Ich habe die Wahl zwischen goldenen Kaffeetassen und goldgeränderten Saftgläsern. Beim weiteren Durchsehen der ansehnlichen Kristallkollektionen meiner Vermieter habe ich neben diversen Kristallschalen auch zwei kristallene Füllhörner vorgefunden, die mir schlußendlich allerdings wenig zum Trinken geeignet schienen, da man ständig mindestens eine Hand für sie aufrecht halten muss. Zurückgeworfen also auf das Goldservice, kann ich zum optischen Eindruck des Sektes wenig sagen, der erste Schluck jedenfalls - oh ha, ja ich hatte es erwähnt, die Hersteller haben nicht darüber geschwiegen, es ist ein süßer Trunk. Immerhin, schon mit dem ersten Glas, das mittlerweile vor mir zur Neige geht, bin ich wieder ein bißchen mehr mit der Welt versöhnt, und alles was da kommen mag, soll ruhig so sein, wie es sein soll...
Nachtrag:
Ich bin ehrlich neidisch auf die Einwohner der schweizerischen Käserepublik, wo, wie ich selbst erleben durfte, Champagner (!), der nicht süß, nicht mild, sondern das Prädikat trocken verdient hat, unter's Käsefondue gerührt wird! Welch Frevel und Verschwendung! Ich weiß, ich werde die westliche Welt nicht aus den Angeln hebeln und ebenso wissend, dass mein hierorts erhobener Zeigefinger in der bergumrahmten schweizerischen Idylle nicht wahrgenommen wird, wünsche ich allenorts erheblichen Genuss geistlicher Getränke - mag sich mein heutiger Wunsch auch mit morgigen Flüchen über meine Leichtgläubigkeit vermischen.
rangingsea - 25. Okt, 09:45
1 Kommentar - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
uhr_elbe - 25. Okt, 15:35
neuer Kaminer?
ein neuer Kaminer ist geboren - nur eben umgedreht, erstens Frau, dann Kasachstan ..., sehr verschmitzt und etwas altmodisch. Ich finde, dass sollten mehr Leute zum Lesen bekommen!

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